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Wolle zum Spinnen vorbereiten

Zuerst einmal, der enorme Preisunterschied zwischen Rohwolle beim Bauern und einem Wollknäuel im Laden erklärt sich aus der Arbeit, die im Wollknäuel steckt. Die Wolle am Schaf ist meistens eher lästig, weshalb mehrere Versuche laufen, Schafe zu züchten, die gute Fleischerträge liefern und das Fell natürlich wechseln, also nicht mehr geschoren werden müssen.

Mit der Schur haben wir Spinner meistens nicht direkt zu tun, obwohl es durchaus sinnvoll wäre, anwesend zu sein. Dann können wir nämlich dafür sorgen, dass der Scherplatz sauber ist, vielleicht den Scherer darauf hinweisen, dass er möglichst wenig nachschneiden soll und uns die beste Wolle selbst aussuchen. Aber gehen wir davon aus, dass wir vor einem geschorenen Haufen Wolle stehen. Dann müssen wir sie:

  1. Sortieren, eventuell auflockern
  2. Waschen
  3. Trocknen lassen
  4. eventuell Zupfen
  5. Kardieren oder Kämmen

Erst jetzt kann die Wolle problemlos versponnen werden. Man kann auch anders vorgehen; zum Beispiel kann man bei warmem Wetter saubere, frisch geschorene und nicht zu fettige Wolle auch ohne weitere Behandlung verspinnen. Aber nach meiner Erfahrung spart jeder gut ausgeführte Arbeitsschritt Zeit beim nächsten. Das heisst, eine gut sortierte Wolle ist schneller gewaschen, eine gut gezupfte Wolle ist leichter zu kardieren.

Das Färben, falls eingeplant, kann vor dem Waschen (für unregelässe Farbeffekte), nach dem Waschen, nach dem Kardieren/Kämmen, nach dem Spinnen oder sogar erst nach dem Stricken geschehen - je nach Lust und Laune und gewünschtem Effekt.

Sortieren

Aussortiert (das gibt hervorragendes Mulchmaterial für den Garten) werden alle mistverklebten Stellen (die zu waschen lohnt sich einfach nicht), kurze Haare (wenn der Scherer zwei mal an der gleichen Stelle geschnitten hat), verfilzte Stellen, und soweit wie möglich auch schon Fremdkörper (Stroh, Heu, Kletten, Käfer...)

Waschen

Die Methode hängt von der Jahreszeit, den örtlichen Gegebenheiten, den Wolleigenschaften und den eigenen Ansprüchen ab. Auf jeden Fall müssen Sie vermeiden:

Für nicht zu fettige Wolle (d. h. von Rassen ohne Merinoeinschlag) habe ich eine ganz einfache Methode (funktioniert allerdings nicht im Winter):

  1. Einen (schwarzen) Eimer mit Regenwasser füllen (Regenwasser ist nicht kalkhaltig, was für die Wolle besser ist als hartes Leitungswasser)
  2. Wolle in den Eimer geben, bis er bequem gefüllt ist (nicht stopfen)
  3. In die Sonne stellen und warten
  4. Nach einiger Zeit (nach Lust und Laune bzw. sonstigem Arbeitsanfall) Wasser abgiessen (guter Dünger!) und Prozedur mit frischem Wasser so oft wiederholen, bis die Wolle sauber aussieht, bzw. das Wasser klar abläuft
  5. Wolle zum Trocknen ausbreiten und wieder warten

Diese Waschmethode kann sich über zwei Tage hinziehen, aber wirkliche Arbeitszeit sind davon vielleicht zehn Minuten pro Eimer. Diese Vorgehensweise eignet sich gut für grössere Wollmengen im Sommer, wenn man auf Vorrat wäscht.

Solognote-Wolle gewaschenIm Winter oder bei sehr fetter Wolle wird es arbeitsintensiver: Das Wollfett wird man nur mit heissem Wasser und Waschmittel (Wollwaschmittel, Geschirrspülmittel oder auch Shampoo) los. Und jetzt heisst es aufpassen, damit die Wolle nicht filzt. D. h. nicht rubbeln, nicht zu wild umrühren, immer Wasser der gleichen Temperatur verwenden. Waschmittel am Ende gut ausspülen, dem Spülwasser eventuell etwas Essig zugeben (Wolle verträgt Säure gut, Laugen aber sehr schlecht). Das ist aber auch schon alles, was man beachten muss. Natürlich kann man aus dem Wolle waschen eine Wissenschaft machen, dem Waschwasser Soda zugeben und selbstgekochte Seife verwenden - aber warum? Beim Färben wird die Wolle noch einmal 30 Minuten geköchelt, nach dem Spinnen wird das Garn gespült, nach dem Weben oder Stricken wird das fertige Werkstück vermutlich noch einmal gewaschen - und nach dem ersten Tragen ist es schon wieder leicht angeschmutzt. Zu grossen Waschaufwand finde ich schlicht überflüssig!

Zupfen

Solognote-Wolle gezupftAusserdem fallen beim Zupfen noch erstaunliche Mengen an Dreck aus der Wolle - egal wie sauber man gedacht hat, sie zu waschen. Beim Wolle zupfen als Vorbereitung zum Karden (für Trommelkarden unbedingt nötig) geht es darum, die Wolle aufzulockern und auszudünnen, so dass keine Klumpen mehr vorhanden sind. Ausserdem entfernt man alle Pflanzenteilchen, Käfer, kurze Haare - kurz, alles, was nicht ins fertige Garn soll. Am besten arbeitet man mit einer ausgebreiteten Zeitung auf dem Schoss, hört gute Musik oder TV (Zupfen dauert lang und ist nicht übermässig interessant) und hat zwei Eimer bei der Hand: Einen für die gezupfte Wolle, einen für den Abfall.

Kardieren oder Kämmen

Zum Kämmen kann ich nichts sagen, da meine Wollkämme noch nicht gebaut sind. In der englischen Bücherliste finden Sie Peter Teal's Hand Woolcombing and Spinning, das das Standardwerk zum Thema ist.

Kardieren kann man entweder mit Handkarden oder einer Trommelkarde (auch Kardiermaschine genannt).

Kardieren mit Handkarden

Handkarden kosten nicht viel (um die 40 Euro pro Paar), sie sind leicht tragbar, und es gibt sie in vielen verschiedenen Ausführungen, von grob bis sehr fein. Der Nachteil ist, dass man nur sehr wenig Wolle auf einmal karden kann (ca. 1 bis 2 g). Der Vorteil ist, dass die Wolle vor dem kardieren nicht unbedingt gezupft werden muss. Ausserdem kann man mit Handkarden sogenannte "Rolags" machen, das sind Wollröllchen, die das Spinnen mit langem Auszug einfacher machen und ein echtes "woolen" gesponnenes Garn erlauben.

Auch das Kardieren habe ich im Vergleich zu dem, was ich gelesen habe, etwas vereinfacht: Ich nehme eine Karde in die linke Hand (Zähne nach oben) und streife Wolle über die Karde, bis auf allen Zähnen gleichmässig Wolle hängt (nicht zu viel!). Dann nehme ich die zweite Karde in die rechte Hand (Zähne nach unten) und bürste damit über die Wolle auf der linken Karde. Dabei fange ich am rechten Rand an und arbeite mich langsam nach links vor - als wenn ich langes Haar von unten nach oben ausbürsten wollte. Dabei übertragen sich die Wollfasern von der linken auf die rechte Karde. Die Kardenzähne greifen bei diesem Bürsten NICHT ineinander! Irgendwann bekommt man mit diesem oberflächlichen Bürsten keine Fasern mehr von links nach rechts. Jetzt greift man mit den Zähnen der rechten Karde in die linke Karde, kippt die rechte Karde und hebt sie nach nach oben heraus - ohne dabei die Zähne der einen Karde durch die andere zu ziehen! Durch dieses Herausheben überträgt man den Rest der Fasern von der linken auf die rechte Karde.

Und jetzt wird es unorthodox: Ich drehe einfach beide Karden um (die rechte - volle- Karde mit den Zähnen nach oben, und die linke mit den Zähnen nach unten) und bürste jetzt mit der linken Hand über die rechte. So werden beide Hände gleichmässig beansprucht! Nach 3 bis 5 Durchgängen müsste die Wolle genug gekardet sein und man kann sie abnehmen. Entweder, in dem man das gekardete Vlies vorsichtig herunterhebt. Dann kann man es so aufrollen, dass die Fasern parallell zueinander sind und ein glatteres Garn (Kammgarn-ähnlich) spinnen. Oder man rollt die Fasern vom Ende her auf - entweder mit den Händen, oder indem man mit der leeren Karde über die volle streift, aber diesmal so, dass die Griffe in die gleiche Richtung zeigen.

Kardieren mit Trommelkarde

Solognote-Wolle kardiertTrommelkarden sind teuer (260 Euro aufwärts) und auch auf E-Bay nicht günstig zu kriegen. Die Fasern müssen noch besser vorbereitet sein als zum Kardieren mit Handkarden und die Zeitersparnis ist daher nicht so gross, wie man denken möchte. Meine Trommelkarde ist die Louët Junior - eine der preiswertesten Trommelkarden auf dem Markt. Sie ist relativ klein, leicht, einfach gebaut und wartungsfrei. Das Kardieren damit ist ganz einfach und man bekommt Vliese von ca. 14 - 30 g(mit Wolle) mit parallell angeordneten Fasern.

Louet Junior Trommelkarde mit selbstgebautem EinzugstischZum Kardieren sollen leichte Karden am Tisch festgeschraubt werden (die Louët Junior braucht ein Tischeck). Dann muss man nur die sorgfältig aufgelockerten Fasern entweder auf den Einzugstisch legen, oder, wenn nicht vorhanden wie bei der Louët Junior (auf dem Foto sehen sie einen selbstgebauten Einzugstisch - ich finde es mit Tisch praktischer), die Fasern an die Einzugstrommel (das ist die kleine Trommel) halten und mit der Kurbel die grosse Trommel drehen. Die Einzugstrommel dreht sich ebenfalls (aber langsamer), greift die Faser und übergibt sie an die grosse Trommel, wo sie mehr oder weniger gerade abgelegt werden. Durch stetiges Kurbeln und Fasern nachführen füllt sich die grosse Trommel (und bei der Louët Junior bei vielen Fasertypen auch die kleine - bei anderen Karden ist das fehlerhaft). Wenn die grosse Trommel voll ist, fährt man mit einem spitzen, langen Gegenstand (dem mitgelieferten Spiess oder einer Stricknadel) in die Lücke zwischen den Zähnen der grossen Karde (da, wo die Belagenden zusammenstossen - die Junior hat da ein Holzstück mit Rille) und hebt die Fasern vorsichtig an, bis sie sich voneinander trennen. So bekommt man ein Kardenband, das man vorsichtig von der Trommel abziehen kann.Louet Junior Trommelkarde mit selbstgebautem Einzugstisch

Einmal kardieren wird in den meisten Fällen nicht ausreichen. Man teilt das Kardenband also, zieht es dünner, und lässt es noch einmal durch die Trommelkarde laufen. Und vielleicht noch einmal, und noch einmal... Nach meiner Erfahrung reicht dreimaliges Karden für homogene Fasern (gleicher Typ, gleiche Farbe), aber zum Mischen unterschiedlicher Fasern können noch mehr Durchgänge nötig sein.

Jedes Mal, wenn man die Wollart wechselt, müssen beide Trommeln der Karde sorgfältig gereinigt werden. Das kann genauso lange dauern, wie das Kardieren selbst. Es empfiehlt sich daher, mit der Trommelkarde den ganzen gewaschenen Wollvorrat eines Typs auf einmal zu kardieren.

Lohnt sich die Anschaffung einer Trommelkarde?

Um es ganz klar zu sagen: Auch mit Trommelkarde ist das Kardieren noch langwierig und mühsam. Vielleicht nicht unbedingt das Kardieren selbst, aber das Zupfen der Wolle, das vor allem bei einem schlecht geschorenen oder verschmutztem Vlies sehr lange dauern kann. Und die Trommelkarde kann weder ein schlechtes Vlies in ein gutes verwandeln, noch Verschmutzung auf magische Weise entfernen. Bei den verschiedenen Durchgängen durch die Trommelkarde und dem Ausdünnen des Kardenbands fällt zwar viel Dreck heraus, es bleiben aber noch genug Samen und Heustückchen übrig, die Sie einzeln heraussammeln müssen.

Für mich lohnt sich der Kauf einer Trommelkarde nur, wenn man preiswerten Zugriff auf grössere Mengen Rohwolle hat (beim Schäfer um die Ecke, zum Beispiel). Gewaschene Locken im Handel zu kaufen rentiert sich nicht - dafür ist der Preisunterschied zwischen den gewaschenen Locken und dem spinnfertigen Kammzug oder Kardenband nicht gross genug. Ausserdem ist industriell gewaschene Wolle oft so angefilzt, dass man sie mit den Fingern nicht mehr auseinanderzupfen kann - man bräuchte einen "Wolf" (die nächste Etappe in der industriellen Verarbeitung). Mit einer Trommelkarde kann man zwar auch wunderbar Kammzüge verschiedener Farben miteinander mischen - aber ob sich die Ausgabe dafür rentiert, muss jeder selbst entscheiden.

Seite aktualisiert: 07 April 2007